Das Projekt im ehemaligen Jugoslawien

"Den Frieden aufbauen"

„Irgendwo zwischen Krieg und Frieden“ beschrieb der serbische Sänger und Friedensaktivist Milan 2013 die Situation im ehemaligen Jugoslawien, bei einem Auftritt im Rahmen einer großen Feier mit ehemaligen TeilneherInnen im bosnischen Tuzla zum 20-jährigen Bestehen des Projekts. Auch 20 Jahre nachdem der Krieg durch den Vertrag von Dayton beendet wurde, herrscht immer noch kein Frieden in der Region.

 

Die Jugendlichen haben den Krieg nicht mehr erlebt, aber seine Auswirkungen bestimmen ihr Leben. Die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Beziehungen wurden zerstört, es mangelt an Perspektiven für die Zukunft, in allen drei Ländern liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 40%. In der Politik sind die alten Kräfte wieder an der Macht, nationalistische Töne bestimmen das politische Klima. Viele Jugendliche haben das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben, als hätte sich jahrelang nichts entwickelt. Und ein Funke genügt, um die Feindseligkeiten wieder anzufachen. Bei einem Qualifikationsspiel zur Fußball-EM zwischen Serbien und Albanien kam es im Oktober 2014 zu Krawallen im Stadion. In verschiedenen serbischen Städten wurden Bäckereien von albanischen Inhabern angezündet.

Jeden Sommer laden wir Jugendliche aus Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu gemeinsamen Freizeiten am Meer ein. Die TeilnehmerInnen bekommen die Möglichkeit, aus den alten Denkmustern auszubrechen, lernen die „Anderen“ kennen, diskutieren über ihre gemeinsame Geschichte und stellen fest, dass es nicht nur eine, sondern mindestens drei Wahrheiten darüber gibt. Sehr wichtig ist für sie, dass bei den Begegnungen alle gleich sind, dass keine Unterschiede gemacht werden. Die gemeinsame Zeit gibt ihnen Mut und Hoffnung für eine bessere Zukunft und die Erkenntnis, dass sie selber etwas dafür tun können.

Die TeilnehmerInnen erregen mit ihren Aktivitäten immer wieder Aufmerksamkeit. 2012 stellten sie ein Video online, in dem sie gemeinsam "Samo Da Rata Ne Bude" singen, ein Lied, mit dem der Sänger Dorde Balasevic, bereits 1986 vor dem sich abzeichnenden Krieg warnte. Das Video fand in allen drei Ländern große Beachtung: In den ersten zwei Wochen wurde der Clip rund 70.000 mal angeklickt, die großen Tageszeitungen übernahmen ihn in ihre elektronischen Ausgaben, auf 129 Plattformen wurde heftig darüber diskutiert. Es gab nationalistische Anfeindungen, aber auch viel begeisterte Unterstützung für die Aktion, zahlreiche Kommentatoren setzten sich mit ihrer eigenen Rolle vor, während und nach dem Krieg auseinander. (Zum Betrachten des Videos auf die Abbildung klicken)